Rettungshund Barry – 40 Menschen soll der Bernhardiner gerettet haben

Barry ist einer der ersten Rettungshunde der neueren Geschichte, der aufgrund seiner geleisteten Rettungsarbeit richtig berühmt wurde. Der Hund, der am Grossen Sankt Bernhard, einem Pass in den Walliser Alpen, Dienst tat, wird gerne als Lawinenhund bezeichnet.

Barry wurde 1800 geboren. Er starb 1814 im wohlverdienten Ruhestand in Bern (Schweiz).

Von Rettungshund Barry gibt es sogar Bilder, denn nach seinem Tod wurde der Hund präpariert und ausgestopft. Er steht heute im Naturmuseum Bern und hat dort inzwischen eine eigene Dauerausstellung, damit

»Dieser treue Hund, der so vieler Menschen Leben rettete, nach seinem Tod nicht so bald vergessen sein wird.«

Wobei es schon etwas makaber klingt, aus Dank ausgestopft zu werden. Aber das machte Barry unsterblich.

Die Dauerausstellung bekam Barry 2014, pünktlich zu seinem 200. Todestag.

Um Barry, einen Bernhardiner, ranken sich viele Legenden und Mythen. Mit dem heutigen Bernhardiner hatte Barry wenig zu tun, die Rasse hat sich seit her doch sehr verändert. Wobei Rettungshund Barry nichtsdestotrotz gerne als legendärer Bernhardinerhund bezeichnet wird, welche Hunderasse hätte nicht gerne eine solche Berühmtheit in der Ahnenreihe.

Wissenswertes über Rettungshund Barry und seine Geschichte

  • Der Bernhardiner ist heute ein Schweizer Nationalhund.
  • Das typische Schnapsflasche um den Hals, das trugen die Hunde der Mönche nie. Es wurde wohl erst in den 1920er Jahren beigefügt.
  • Barry wird zwar als Lawinenhund bezeichnet, er arbeitete aber als Schutz- und Rettungshund. Er und seine Kollegen halfen den Mönchen den Weg zurück ins Hospiz zu finden.
  • Der heutige Bernhardiner hat mit den Hunden von damals wenig zu tun. Barry selbst wog wohl um die 40 bis 50 Kilogramm, heutige Bernhardiner sind mit ihren ca. 100 Kilogramm deutlich massiver.
  • Noch heute werden im Hospiz auf dem großen St. Bernhard Bernhardiner gezüchtet. Eingesetzt werden diese sowohl als Therapiehunde als auch Sozialhunde. Als solches sind Bernhardiner in der Schweiz sehr beliebt.
  • Nationalhund Barry wurde nach dem Tod ausgestellt, wanderte irgendwann auch ins Museum und hat dort seit 2014 sogar eine eigene Dauerausstellung.
  • Als echter Held ist Barry auch Titelfigur in zahlreichen Legenden, wie in der vom Knabenritt.
  • Eine Legende erzählt, dass Barry von einem französischen Soldaten getötet wurde, der den Hund für einen Wolf gehalten hat. Das ist nicht wahr, Barry starb 1814 auf seinem Altenteil in Bern.

Rettungshunde am St. Bernhard

Barry wurde im Jahr 1800 geboren. Er lebte als Rettungshund im Hospiz auf dem Grossen St. Bernhard, dieses liegt auf fast 2500 Meter Höhe. Das Hospiz wurde bereits seit dem 11. Jahrhundert von den Augustiner Chorherren geführt. Gegründet worden war es von Bernhard von Menthon (Heiliger der katholischen Kirche und seit 1923 Schutzpatron der Alpenbewohner und Bergsteiger, 1020-1081). Diese wachten über den St. Bernhard-Pass, den die Überquerung dieser wichtigen Verbindung, war zu jeder Jahreszeit, nicht nur im Winter sehr gefährlich. Und so waren es die Chorherren und ihre Diener, die den Pass etwas sicherer machten, in dem sie immer wieder Verschüttete und auch Verirrte retteten. Erstmals setzte man Mitte des 17. Jahrhunderts auf die Mithilfe von Hunden bei der Rettung von Menschen. In 200 Jahren sollen dabei mehr als 2000 Menschen gerettet worden sein. Gerettet wurden Söldner und Soldaten, Händler, Zöllner, sogar Schmuggler und auch viele Tagelöhner, denn der Pass war eine wichtige Verbindungsstraße.

Rettungshund Barry

Barry war einer dieser Rettungshunde, die zum Einsatz kamen. Dabei war Barry höchst erfolgreich, die Rettung von 40 Menschen in den Hochalpen soll auf sein Konto gegangen sein, das machte den Hund bereits zu Lebzeiten zur Legende. 40 Menschen vor einem eisigen Tod zu bewahren, kein Wunder, dass dieser tapfere Rettungshund zum Nationalhund der Schweiz wurde.

Barrys Aufgabe war es dabei, bei starken Schneestürmen den Menschen den Weg zurück ins Hospiz zu weisen. Mit den Aufgaben eines Lawinenhundes, wie wir sie heute kennen, hat das wenig zu tun.

Barry geht in den Ruhestand und wird nach dem Tod ausgestopft

Barry tat viele Jahre treu seinen Dienst. Die letzten zwei Jahre war der Rettungshund dann aber im Ruhestand. Der Prior des Klosters ließ Barry für diese Zeit nach Bern bringen. Dort starb er dann auch. Und wurde für die Nachwelt präpariert und ausgestopft. Wobei Barry, wie er heute den Besuchern des Museums präsentiert wird, nicht so konserviert wurde. Während Barry heute eine stolze Haltung zeigt, war es im 19. Jahrhundert eine demütigende und dienende Haltung.

1923 nahm ein Präparator, Georg Ruprecht, sich Barry erneut vor. Und veränderte die Haltung, nun steht Barry mit stolz erhobenem Kopf und, das konnte wohl nicht ausbleiben, er hat ein kleines Fässchen um den Hals. Wobei die Geschichte mit dem Fässchen, mit dem Hochprozentiges zu den Opfern von Lawinen gebracht wurde, auch nur eine Legende ist.

Der Bernhardiner Barry

Barry wird immer als Bernhardiner bezeichnet und automatisch hat man dann natürlich die großen, schweren Hunde dieser Rasse vor Augen. Zwischen 1814 und heute hat sich in der Bernhardiner Zucht aber einiges getan. So nimmt man an, dass Barry zu Lebzeiten zwischen 40 und 50 Kilogramm gewogen hat. Seien Widerristhöhe lag bei etwa 54 Zentimeter. Die heutige Rasse der Bernhardiner ist deutlich größer und schwerer. So liegt alleine die Widerristhöhe beim heutigen Bernhardiner bei etwa 70 und 90 Zentimetern. Und das Gewicht meist bei mehr als 100 Kilogramm. Man kann also durchaus von einer neu entstandenen Bernhardinerrasse sprechen, denn nicht nur Gewicht und Körpergröße des Hundes haben sich geändert, auch sein Kopf wurde vergrößert und die Läufe verlängert.

Ich habe über Barry auch gelesen, dass Barry ursprünglich als Küherhund bzw. Alpiner Mastiff und erst später als Bernhardiner bezeichnet wurde.

Legenden und Mythen rund um Rettungshund Barry

Es gibt sehr viele Legenden, die sich um die Heldentaten von Barry drehen. Nur wenige sind belegt, alle lesen sich aber immer wieder nett.

Knabenritt

Eine dieser Legenden ist zum Beispiel die vom Knabenritte. Barry soll alleine ein Kind gerettet haben. Dieses ritt auf dem Rücken des Hundes zum Hospiz. Dies ist eine Vorstellung, bei der man automatisch die heutigen Bernhardiner vor Augen hat und das durchaus für vorstellbar halten könnte (wobei auch ein heutiger Bernhardiner kein Kind tragen sollte). Barry war aber viel schmaler und schlanker, schon von der Kraft her hätte das mit dem Knabenritt also nicht klappen können. Dennoch ist die Legende vom Knabenritt eine sehr beliebte, die auch immer wieder bildlich verewigt wird.

Schnapsfass der Bernhardiner

Das Schnapsfass der Bernhardiner ist auch nur eine Legende. Mit diesem Schnapssfaß um den Hals, mit Schweizer Kreuz natürlich, wird Barry seit seiner erneuten Präparation in den 1920er Jahren dargestellt. 1956 kam heraus, dass die Hunde Anfang des 19. Jahrhunderts solche Fässchen nicht um den Hals getragen haben. Zumindest wurde ein Geistlicher des Hospizes, für das Barry als Rettungshund im Einsatz war, so zitiert.

Barry wird für einen Wolf gehalten

Sogar der Tod von Barry ist Gegenstand einer Geschichte. Dieser zu Folge soll Barry von einem französischen Soldaten für einen Wolf gehalten worden sein und von diesem auch getötet. Zwar gab es in den Alpen bzw. am Großen St. Bernhard zu Beginn des 19. Jahrhunderts Wölfe, aber die Franzosen zogen hier, angeführt von Napoleon, im Jahr 1800 über den Passweg. Und das Todesjahr von Barry ist nun mal das Jahr 1814.

Barry hat inzwischen auch eine eigene Webseite.

Barry im Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern

Der legendäre Bernhardinerhund vom großen St. Bernhard hat im Naturhistorischem Museum der Burgergemeinde Bern inzwischen eine eigene Ausstellung. Dennoch kann man auch mal Pech haben, und Barry nicht antreffen, denn so ging der Schweizer Nationalhund (wie er auf der Webseite des Museums bezeichnet wird) einen Monat auf Reisen und wurde auf der Ausstellung »tierisch schweizerisch« im Landesmuseum Zürich gezeigt. Es ist bis 2017 erst das zweite Mal, dass der präparierte Rettungshund seinen Platz in Bern verlässt. Er war auch schon mal zu Besuch in seiner alten Heimat Wallis gewesen. Bericht über Barrys Reise nach Zürich.

Bernhardiner sind heute keine Rettungshunde mehr

Zu den Hunden kamen die Mönche als Geschenk von Bauern. Diese hatten robuste Hunde, die natürlich gut für die Arbeit im Gebirge geeignet war. Später wurde auch mit der Zucht dieser Hunde begonnen und diese erhielten natürlich den Namen des Gründers dieser Unterkunft, Bernhard bzw. Bernhardiner. Und auch wenn die Geschichte der Bernhardiner als Rettungshund begann, heute werden Tiere dieser Rasse nicht mehr für diese Arbeit eingesetzt. Das verwundert nicht, mit dem schlanken, athletisch, kräftigen Barry, der als Lawinenhund im Gebirge unterwegs war, haben die Bernhardiner der heutigen Zeit kaum noch etwas zu tun. Dennoch haben auch Bernhardiner heute noch wichtige Jobs. So sind sie in der Schweiz als Therapiehunde sehr beliebt. Das passt gut zu ihnen, ist die Rasse heute doch für ihre Kontaktfreudigkeit aber eben auch für ihr ausgeglichenes Gemüt bekannt. Gute Voraussetzungen, um Menschen zu helfen. Und immer noch gibt es am St. Bernhard Pass Bernhardiner. Denn die Mönche (bzw. die Barry-Stiftung), die ja nun keine Menschen mehr retten müssen, bieten heute Wanderungen bzw. Spaziergänge an – in Begleitung dieser tollen Hunde. Wanderungen mit Bernhardiner in den Alpen.

Hospiz auf dem Grossen St. Bernhard

Das Hospiz auf dem Grossen St. Bernhard (L’Hospice du Grand-Saint-Bernard) gibt es heute noch. Es dient noch heute als Unterkunft. Gegründet wurde es bereits im Jahr 1045. Heute wirbt die Herberge damit, das man hier auf knapp 2500 Metern übernachten könne.

Denkmäler und Erinnerungen an Barry

An Barry erinnert nicht nur eine Stiftung (Barry-Stiftung) und eine Dauerausstellung im Museum in Bern. Auf dem Hundefriedhof von Asnières-sur-Seine bei Paris wurde für Barry ein Denkmal errichtet. Allerdings ist hier die Inschrift falsch, denn dort ist zu lesen, dass Barry nach seiner 40. Lebensrettung vom 41. Menschen getötet wurde. Dabei starb der Hund friedlich in Bern.

Es gibt auch Filme über das Leben dieses Hundes:

  • 1949 unter dem Titel Barry (Barry – Der Held von St. Bernhard) in Frankreich.
  • 1977 unter dem Titel Barry of the Great St. Bernard (Barry, der Bernhardiner) von den Walt Disney Studios.

Leider habe ich den ganzen Hundefilm von 1977 nicht gefunden, aber ein kleiner Ausschnitt der Walt Disney Produktion ist auf Youtube verfügbar. Allerdings macht dieser Hundefilm mehr den Eindruck einer Dokumentation:

Dafür war ich bei der Suche nach dem Film von 1948 erfolgreicher. Hier gibt es die gesamte Fassung, allerdings auf Französisch. Sie erzählt wohl von der Zeit der Feldzüge Napoleons im NOrden Italiens und eben über Barry.

In dem Hund spielt auch ein Bernhardiner-Welpen mit (um MInute 16:34). Seinen Auftritt als Lebensretter mit viel Schnee hat Barry in diesem Film dann relativ weit hinten, so um 1:26.

In Annette von Droste-Hülshoffs Werk Das Hospiz auf dem Großen St. Bernhard trägt im Zweiten Gesang ein Rettungshund namens Barry ein halb erfrorenes Kind. Überhaupt dreht sich in diesem zweiten Gesang viel um Barry.

Aber auch andere Schriftsteller haben sich mit Barry auseinandergsetzt. Samuel Rogers The Great Saint Bernard (auch Barry, The Great St. Bernard, wohl 1875). Oder Henry Bordeaux in seiner 1911 erschienen Novelle La Neige sur les pas.  Und Barrys Geschicht ist auch Teil eines Kinderbuchs: Barry: The Bravest Saint Bernard (Random House Books for Young Readers).

Lawinenverschüttetensuchgeräte werden noch heute hin und wieder als Barryvox bezeichnet; ein Hersteller verwendet dies außerdem als Marke.